Vision Summit 2011: Mit Design Thinking zum Planet Thinking

Business mit Social Impact – Gründen, Vernetzen, Verbreitern

Vom  7. bis 9. April fand nach Angaben der Veranstalter der “größte Innovationsworkshop weltweit” statt (1.000 “Soziale Innovateure”, idw-online.de).  Die HPI School of Design Thinking, Potsdam, war nicht allein der Gastgeber, sondern das Zusammenkommen, -denken, -arbeiten war

"Das Ziel: Eine bessere Welt unternehmen - durch eine Revolution sozialer Innovationen" (www.visionsummit.org)
Zusammenspiel von sozialer Innovation und Social Web (Willi Schroll)

bei diesem Visionsgipfel geprägt von der Innovationsmethode des Design Thinking (visionsummit.org). Diese Tatssache ist ein erstklassiger Beleg dafür, dass die diversen “Social-X” Silos* in eine höchst fruchtbare Beziehung treten können. Überraschenderweise war das Social-Media-Thema kaum präsent. Ist der Bereich etwa bereits so etabliert, dass dafür kein Bedarf mehr besteht? Das erscheint mir nach den Erfahrungen auf dem SocialCamp und den damit thematisch verbundenen Socialbars ganz unwahrscheinlich. Unter NGO/NPO sind Social Media / Social Networks ein “Dauerthema”, ermöglichen sie doch die effiziente Unterstützung von Grundfunktionen der Kommunikation und Partizipation bis hin zu viralen Kampagnen.

Workshop "Social Media und soziale Innovationen" mit Joana Breidenbach et al. – Der Hörsaal war zu klein für das große Interesse

Mit Design Thinking zum Planet Thinking

Die Vielfalt der beteiligten Akteure verbietet es vorschnell einen Konsens-Kern anzunehmen. Dennoch sehe ich im Design Thinking eine Methode, deren Einsatz die Innovationskraft der “Sozial-Innovateure” steigern wird, sei es auf dem Feld der Entwicklung neuer Lösungswege im konkreten Einzelfall bis hin zu neuen Geschäftsmodellen. Sofern der Planet als Lebensgrundlage heute vielfach gefährdet ist, bietet es sich an das Design Thinking weiterzuentwickeln: Von der selektiven Fokussierung auf den Nutzerkontext zur Systembetrachtung verschachtelter Kontexte, das heisst zum Planet Thinking. Dieses Denken umfasst – wenn nötig – die erweiterten Wirkungsradien bis hin zu globalen Wirkungsgefügen und in die Zukunft reichenden Kausalketten.

Create Planet Schools!

In diesem Sinn ist eine Idee zu verstehen, die in ähnlicher Form bei  Autoren wie etwa Otto Scharmer auftaucht: Neue Schulen braucht die Welt, insbesondere Schulen neuen Denkens für die Entscheider und Eliten von morgen. Nicht nur weil die Bildungssysteme immer weniger geeignet scheinen, die institutionellen Ziele zu erfüllen, Nein, die Dringlichkeit für die Transformation lässt es unverantwortlich erscheinen, dass weiterhin “Fabriken falschen Denkens” existieren. Die Idee der “Planet Schools” (wie auf dem Visionsummit angestoßen) könnte in diesem Sinn darüber hinausgehen sich nicht nur auf die (reformierte) Ausbildung der künftigen Manager und Ingenieure zu konzentrieren. Es könnte eine Bildungseinrichtung/ Bildungsbewegung “for change” werden, die

  • allen Altersklassen offensteht,
  • Wissen für Nachhaltigkeit/Resilienz schafft und transferiert,
  • Akteure vernetzt,
  • Empowerment schafft, (ein Visionsummit 24/365!),
  • Community Building unterstützt, lokal und thematisch
  • vielleicht auch “semi-virtuell” ist; neben Realwelt-Meetings im “gebauten Raum” ermöglichen mobile Plattformen ubiquitäres Lernen und Verstehen – wo man geht und steht kann “Schule passieren”
  • das “Planet Thinking” weltweit für alle Erdenbürger befördert
  • … mehr Ideen? …

Comment is free!

*Nachtrag 2011-04-11: Was bitte sind “Social X” Silos?

Es gibt eine Menge von Netzwerken/Communities, die sich heute um Begriffe scharen wie: Social Business • Social Causes • Social Design • Social Ecology • Social Impact • Social Innovation • Social Media • Social Networks • Social Objects • Social Ressources • Social Technology

Jedes dieser Komposita (Social X) entfaltet eigene Ziele, Diskurse und Methoden. Aus der Netzwerkforschung wissen wir: Auch (prinzipiell offene) Netzwerke tendieren – unbeabsichtigt – zur Abschottung. Das ergibt dann den Silo-Effekt. Das Gegenmittel ist die Verknüpfung dieser Netzwerke, um damit Wissenstransfer zu erreichen und sich wechselseitig zu befruchten.

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3 thoughts on “Vision Summit 2011: Mit Design Thinking zum Planet Thinking

  1. Schau ich mir an, danke dir. Es gibt natürlich weltweit sehr viele Projekte in der Überschneidung der Mega-Themen Nachhaltigkeit und Bildung (gibt es ein Directory?). In meiner Wahrnehmung (und diese Frage harrt objektiven Zahlen) sind dies immer noch sehr kleine Wirkungszentren, aber als Keime eminent wichtig. Wie du es sagst, der Mainstream ist der nächste Schritt!

  2. Willi, zum Stichwort “Abschottung” noch ein paar Gedanken.

    Wenn Netzwerke, wie offen sie auch am Anfang sind, erfolgreich werden, umgeben sie sich oft mit Ihresgleichen. Das macht sie zwar kurzfristig erfolgreicher (so wie jede Monokultur schneller Holz abwirft, als der gewachsene Wald), doch kaum verändern sich die Umstände des externen Systems, kann es schnell dazu kommen, dass genau dies dysfunktional wird. Digital Equipment Corporation ist ein Beispiel, wie so etwas schiefgehen kann, obwohl es niemand vorsätzlich vorangetrieben hat.

    Es muss immer wieder erlaubt sein, die unaussprechbaren Wahrheiten anzusprechen und zu hinterfragen. Sozusagen das Immunsystem der Adaption am Leben zu erhalten.

    Grüße
    Ralf

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